Kryptowährung: Sachsen verschenkt 1,5 Mrd. Euro an Bitcoin | Regional


Dresden – Hier hat sich der deutsche Staat ordentlich verspekuliert – und 49.858 Bitcoins zum falschen Zeitpunkt verkauft. Entgangene Einnahmen für die Staatskasse: etwa 1,5 Milliarden Euro.

Der Freistaat Sachsen hatte im Sommer sichergestellte Bitcoins eines mutmaßlichen Streaming-Kriminellen (40) verkauft. Doch in den Wochen danach schoss der Kurs nach oben. Jetzt hätte die Kryptowährung deutlich mehr richtiges Geld ins klamme Staatssäckel gefüllt.

Bitcoins stammen aus Geldwäsche

Rückblick: Im Januar 2024 konnten Fahnder des Landeskriminalamts Sachsen einen Kriminellen (40) überzeugen, seine milliardenschweren Bitcoins freiwillig an das Bundeskriminalamt (BKA) zu übertragen.

Die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen wirft dem Deutsch-Iraner gewerbsmäßige unerlaubte Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken in 219.928 Fällen und gewerbsmäßige Geldwäsche in 146 Fällen vor.

Es geht um Gewinne aus dem Betrieb eines illegalen Streamingportals „movie2k“ bis ins Jahr 2013. Der Mann war später untergetaucht und 2023 von Zivlfahndern in Spanien gefasst worden.

Da war das Krypto-Wallet noch fett: Zum Jahresanfang wurden die Bitcoins an Sachsen übertragen. Das schlüsselte der Datendienst „Arkham“ auf (Screenshot: Stand Januar 2024)

So sah das Krypto-Wallet des BKA laut Datendienst „Arkham“ im Frühjahr 2024 aus

Foto: Arkham Intelligence Inc.

Bitcoin-Vermögen vor Kursanstieg verkauft

Die „Sächsische Zentralstelle zur Verwahrung und Verwertung von virtuellen Währungen“ ließ zwischen dem 19. Juni und 12. Juli 2024 die 49.858 Bitcoins mithilfe der Frankfurter Bankhaus Scheich Wertpapierspezialist AG veräußern, erzielte 2.639 Mrd. Euro.

Nimmt man jedoch den Kurs vom 12. November 2024 um 12 Uhr hätte der Freistaat Sachsen üppige 4.127 Mrd. Euro erzielt – fast 1,5 Milliarden Euro mehr!

Finanz-Influencer diskutieren daher über den Verkaufszeitpunkt bei Instagram. So schreibt u. a. Techaktien: „Man sagt, Bitcoin sei ein Intelligenztest. Deutschland hat ihn nicht bestanden.“

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Generalstaatsanwalt beruft sich auf Gesetze

BILD wollt von Sachsens Generalstaatsanwalt Martin Uebele (65) wissen, wie er der Öffentlichkeit erklärt, dass die Bitcoins jetzt viel mehr wert wären.

Seine Behörde antwortet, dass die „Notveräußerung“ nach Paragraf 111p Strafprozessordnung erfolgte. Grund: drohende Wertverluste. Es „darf nicht abgewartet werden, ob und wie sich der Wert der Bitcoins verändert“, so GenSta-Sprecher Dr. Patrick Pintaske (42).

Von der Bitcoin-Übernahme bis zum Verkauf vergingen jedoch fünf Monate, bis zum jetzigen Rekordhoch (1 Bitcoin = mehr als 80.000 Euro) sind es auch nicht viele Wochen mehr.

„Das alles auf einmal verkauft wurde, hatte alle überrascht“, so Linken-Politiker Rico Gebhardt (61, Linke) zu BILD. „Es wäre klüger gewesen, nicht gleich das ganze Paket auf den Markt zu bringen.“

Sachsens Generalstaatsanwalt Martin Uebele (65)

Sachsens Generalstaatsanwalt Martin Uebele (65)

Foto: picture alliance/dpa

Geld fließt dem Staatshaushalt zu

Laut sächsischen Finanzministerium wird das Bitcoin-Geld nun bei der Bundesbank im „zentralen Liquiditätsmanagement des Freistaates“ verwahrt. Hier laufen auch die Ein- und Ausgaben des Landes ein. Bleibt am Ende ein Überschuss, werde dieser „zu geltenden Marktzinsen angelegt“, so Ministeriums-Sprecher Dr. Frank Bauer (36).

Nach Prozessende (Anklage erfolgt, Prozess in Leipzig noch nicht terminiert) fließt das Geld ins Staatssäckel. Zuvor müssten noch mögliche Opfer entschädigt werden.

Die eingestürzte Carolabrücke. Für den Wiederaufbau wird mit Kosten über 140 Mio. Euro gerechnet

Die eingestürzte Carolabrücke. Für den Wiederaufbau wird mit Kosten von mehr als 140 Mio. Euro gerechnet

Foto: Robert Michael/dpa

Die Bitcoin-Milliarden werden in Sachsen dringend benötigt – u.a. für die Sanierung der gesperrten Elbbrücke in Bad Schandau und den Wiederaufbau der eingestürzten Carolabrücke in Dresden.





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Author: admin

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